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    Johannes Reittinger

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    Beitrag  Johannes Reittinger am Sa 08 Okt 2011, 21:42

    Ich habe hier einen Einblick in die ersten Kleinbahn- und Liliput - Loks zusammengestellt:


    1947 gab es außer handgewickelten Privatversuchen keine brauchbaren Motoren - außer dem sogenannten Wehrmachtsmotor:
    Dieser wurde ursprünglich für die Flak - Steuerung hergestellt (ein "Kommandogerät 40" hatte etwa 32 solcher Motoren!),
    fand aber auch als Scheibenwischermotor bei Flugzeugen Verwendung!
    (Dieser Wehrmachts - Motor wurde auch bei Karl Göls, bei Sperl Spur 0 und eine Zeit lang bei Piko verwendet)



    Erich Klein setzte auf die Motorwelle die sogenannte "Schrack - Schnecke" - aus dem Telefon - Zählwerk, von Schrack entwickelt;
    Mit Schrack hat Erich Klein anfangs eine Menge Geschäfte abgewickelt, diese Firma war ihm gut bekannt, hatte er doch genau dort den Beruf des "Spielzeugmachers" erlernt!



    Interessanterweise zeigt die Liliput - Lok "Bernina" (hier in der seltenen 4 achsigen Ausführung) den völlig gleichen Aufbau Motor - Schnecke - Schwungmasse,
    bloß die Antriebszahnräder sitzen auf der anderen Seite



    Insgesamt gesehen sind die Kleinbahn- und Liliput - Lokomotiven der End - Vierziger Jahre technisch fast ident:
    Messing - Rahmen, gedrehte Räder (bei Klein Messing, bei Liliput Stahl), Wehrmachtsmotor, Schnecke, Schwungmasse, Bügelkupplung vom Typ "Märklin" -
    und das Gehäuse als "Hut" ausgebildet und draufgesetzt
    Diese Maschinen fahren auch heute noch mit auch für heutige Verhältnisse hervorragenden Fahreigenschaften - durch den siebenpoligen Motor ausgezeichnete Langsamfahrt, durch die Schwungmasse ordentlicher Auslauf, der bei einigen Maschinen den Wert von 100cm durchaus überbieten kann!

    Wird fortgesetzt

    lg
    Johannes Reittinger
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    Karl
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    Re: Innenleben

    Beitrag  Karl am Sa 08 Okt 2011, 22:15

    Hallo, Johannes!

    Das war wieder mal Forum vom Feinsten - DANKE! - Bedanken möchte ich mich auch dafür, dass ich 40 Jahre lang in den verschiedensten Fachheften von den legendären "Wehrmachtsmotoren" las und mir absolut nix darunter vorstellen konnte. Und durch deinen Beitrag darf ich ihn nicht nur sehen, sondern erfahre auch, wozu er früher verwendet wurde!

    LG,
    -Karl

    br310

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    Re: Innenleben

    Beitrag  br310 am So 09 Okt 2011, 09:45

    Hallo Johannes,hoch interessant,Dein Beitrag.Daß Erich Klein bei Schrack sicher den Beruf des "Werkzeugmachers" und nichts des "Spielzeugmachers" erlernt hat,möchte ich noch berichtigend ergänzen.Ich war ja selbst von 1967 bis zum Verkauf der letzten "Schrack" Firma im Jahre 1995 dort beschäftigt und kann mich noch gut an die Selen-Gleichrichterfertigung in der damaligen Pottendorfer Straße erinnern,die ja auch in den Kleinbahn Trafos Verwendung fanden.Erich Klein war daher auch lange Zeit Kunde von Schrack.Im Gegensatz zu Kleinbahn fiel Schrack aber durchwegs ausländischen Firmen in die Hände,die Telecom Sparte wurde 1988 an Ericson verkauft,die Relais Sparte 1995 an Siemens und dann 1999 an den amerikanischen Tyco-Konzern,in dessen Verband sie auch heute noch erfolgreich tätig ist und inzwischender zum größten Relaishersteller Europas mit Fabrik in Waidhofen/Thaya aufgestiegen ist.Schade um die einstmals rein österreichischen Familienbetriebe,aber sie wären in der heutigen Zeit mit dem rasanten Entwicklungsbedarf nicht mehr überlebensfähig gewesen.Als ehemaliger Werksleiter dieser Relaisfabrik bin ich trotz aller Besitzerwechsel immer noch ein eingefleischter "Schrackianer",daher auch mein Insiderwissen über diese Firma.
    Grüße aus dem Waldviertel
    Edwin
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    spassbahner
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    Re: Innenleben

    Beitrag  spassbahner am So 09 Okt 2011, 10:34

    Hallo zusammen

    Danke für's Zeigen dieser schönen Zeitzeugen!

    Die Bernina erinnert mich an die Re 4/4 I, die war ja 1947 brandneu.

    Die Firma Schrack ist mir als Schweizer auch bekannt, in den Schaltschränken unserer Fernwirkanalgen sind sie zu Tausenden (24V DC) verbaut (und ich ärgere mich bei jedem Austausch das der Relaissockel nicht mit den von mir bevorzugten Comatrelais identisch ist Evil or Very Mad )

    LG
    -Bruno
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    nonnoherby

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    Re: Innenleben

    Beitrag  nonnoherby am So 09 Okt 2011, 11:26


    1947 gab es außer handgewickelten Privatversuchen keine brauchbaren Motoren - außer dem sogenannten Wehrmachtsmotor:
    Dieser wurde ursprünglich für die Flak - Steuerung hergestellt (ein "Kommandogerät 40" hatte etwa 32 solcher Motoren!),
    fand aber auch als Scheibenwischermotor bei Flugzeugen Verwendung!
    Hallo Freunde!
    Ohne auf die leider traurigen Entwicklungshintergründe dieses Motors einzugehen kann man aber behaupten daß, wenn diese "Kriegsbeute" nicht vorhanden, die Wiederanfangsentwicklung der Modellbahn etwas sehr verzögert wäre.
    Was aber heute auch noch immer vorkommt daß militärische Entwicklungen nach einiger Zeit für zivile Zwecke verwendet werden.
    Bitte nicht missverstehen, soll keine Nostalgie sein sondern nur ein rein technischer Aspekt!
    Viele Grüsse an alle
    ciao
    herby
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    Johannes Reittinger

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    Re: Innenleben

    Beitrag  Johannes Reittinger am So 09 Okt 2011, 21:54

    für br310 und alle

    Daß Erich Klein bei Schrack sicher den Beruf des "Werkzeugmachers" und nichts des "Spielzeugmachers" erlernt hat,möchte ich noch berichtigend ergänzen

    Nun, genau genommen stimmt beides - Erich Klein (diese Information stammt von ihm persönlich) ist als "Spielzeugmacher" in die Lehre eingetreten, ich meine, er hat auch noch die Gesellenprüfung als solcher abgelegt, jedoch wurde dieser Berufszweig aufgelassen und zum "Werkzeugmacher" dazu genommen.

    Die Meisterprüfung erfolgte als "Werkzeugmacher"

    lg
    Johannes Reittinger
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    Johannes Reittinger

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    Re: Innenleben

    Beitrag  Johannes Reittinger am Sa 15 Okt 2011, 22:24

    Fortsetzung 1

    Der Wehrmachtsmotor:

    1) so, wie er tausendfach vorhanden war, mit einem Wellenende



    2) Umbau für / von Karl Göls: 2 Wellenenden und Schwungmasse



    3) Mit Schwungmasse und langen Wellenenden, etwa für die Göls E 94 oder die Triebwagen (VT 42, ET 10, ET 11)




    Nun zu einigen Loks, in denen Wehrmachtsmotoren eingebaut waren:

    1170.300 bzw. 1040 - sehr schön zu sehen die Kraftübertragung von Achse zu Achse mittels Ringfedern



    Einbaufertig für den Wehrmachtsmotor, beide Getriebe sind bereits eingebaut, ebenso die Verkabelung



    Eingebaut in eine E 94, man beachte die "Kardanwellen" (einfache Gummischläuche, die sich meist sehr schnell abnutzten)




    E 44 vorbereitet für Gehäuse und Motor - Einbau

    Jedes Rad war mit Rille ausgeführt - bei dieser E 44 dient eine Rille zur Kraftübertragung, die andere zur Stromabnahme




    Auf den ersten Blick eine Göls - Lok, ABER: die Wiener Firma ema (Elektromechanischer Anlagenbau Piller&Martinek) fertigte eine Zeit lang Eisenbahnen, wobei sie sich der Technik von Karl Göls bedienten (und wohl auch viele Teile dort zukauften), Drehgestelle, Puffer, Seitenwände zeigen jedoch oft deutliche Unterschiede zu Karl Göls

    beide Rillen werden zur Kraftübertragung genutzt, die Stromabnahme erfolgt durch Schienenschleifer sowie Bügel, die Lok fährt also nur mit Oberleitung!




    Wird fortgesetzt

    lg
    Johannes Reittinger
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    Karl
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    Re: Innenleben

    Beitrag  Karl am So 16 Okt 2011, 08:33

    Hallo, Johannes!

    Nach dem wiederum spitzenmäßigen Beitrag (fast bin ich versucht, "typischer Reittinger-Beitrag" zu schreiben) gefällt mir am zweitbesten der Vermerk "wird fortgesetzt" Laughing .
    Eine Frage hätte ich noch, bitte: Auf welche Volt-Anzahl war der Wehrmachtsmotor ausgelegt?

    LG,
    -Karl
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    Re: Innenleben

    Beitrag  spassbahner am So 16 Okt 2011, 09:37

    Hallo Johannes

    Super was Du da zeigst!

    Was mich immer wieder erstaunt sind die abenteuerlichen Konstruktionen, da wurde mit allen verfügbaren Mitteln "Modellbahn" produziert.

    Innovation und Improvision waren damals wohl an der Tagesordnung.

    LG
    -Bruno
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    Re: Innenleben

    Beitrag  nonnoherby am So 16 Okt 2011, 11:18

    Danksagung an unseren Modelleisenbahn-Papst Johannes I.! king king
    Vielen Dank für Deine aufschlußreichen Beiträge ohne die wir einige Dinge nur vom Hörensagen gekannt hätten. Very Happy Very Happy
    Bitte mach so weiter, wir warten auf Deine neuen Beiträge. lol! lol!
    LG und ciao
    herby
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    Johannes Reittinger

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    Re: Innenleben

    Beitrag  Johannes Reittinger am Mo 17 Okt 2011, 19:34

    Vielen Dank für Deine aufschlußreichen Beiträge ohne die wir einige Dinge nur vom Hörensagen gekannt hätten

    Musst halt zu mir ins Museum kommen, da gibt es all das und noch viel mehr zu besichtigen!

    lg
    Johannes Reittinger
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    Karl
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    Re: Innenleben

    Beitrag  Karl am Mo 17 Okt 2011, 21:38

    Servas, Herby!

    Wenn du dich mal über die Berge nach Wien aufmachen solltest, um ein bisschen Moba-Museum-Luft zu schnüffeln: Könntest du mir Bescheid sagen? An Samstagen schaffe ich es vielleicht auch nach Wien und zurück. - So wie am (kommenden) Staatsfeiertag: da bin ich beim Abdampfen in Strasshof. Heißt für mich: Abfahrt um 05.59 Uhr, Ankunft um 11:32 Uhr. Rückfahrt um 16:26 Uhr, Heimkehr um 21:45 Uhr. Und am nächsten Tag sind mein Chef und ich beim Vorstand - da werd ich was von fertig sein affraid . Was tut man nicht alles für sein Hobby? Laughing

    LG,
    -Karl
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    nonnoherby

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    Re: Innenleben

    Beitrag  nonnoherby am Mo 17 Okt 2011, 22:06

    Hallo Karl!
    Als Idee wäre das nicht so schlecht, aber ich muß auch mit meiner besseren Hälfte reden. Die ist normalerweise bei allem dabei aber man muß das eben etwas vorher besprechen. Meine Tochter wäre auf jeden Fall sofort einverstanden, aber nicht weil sie mitfahren will sondern da gibt es nachher wieder einige Kästen Hirter Bier da die letzten 3 die ich mitgebracht habe schon fast verdunstet sind. Du mußt nämlich wissen sie lebt mit ihrem Verlobten zusammen und der ist Tischler, was ja an und für sich ein sehr staubiger Beruf ist und man immer trockene Kehle hat.
    Ich werde Dir Bescheid sagen wenn etwas konkretes herauskommt
    Buona notte Sleep Sleep und ciao
    herby
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    Karl
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    Re: Innenleben

    Beitrag  Karl am Di 18 Okt 2011, 05:41

    Jepp, Herby, s'wäre toll, wenn du mal an einem Samstag in der MoBa-Saison gen Wien aufbrechen könntest ...
    Interessant, dass - wie auch bei mir - deine Regierung auch immer dabei ist Laughing Laughing

    LG,
    -Karl
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    Johannes Reittinger

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    Re: Innenleben

    Beitrag  Johannes Reittinger am Mo 26 Dez 2011, 20:09

    So - wie vorgewarnt geht es weiter:

    Ab 1950
    gingen offensichtlich die Bestände an Wehrmachtsmotoren zur Neige.
    Während Göls bis zu seinem Produktionsende 1955 weiterhin Wehrmachtsmotoren verwendete, welche über Sperl oder aber auch über Auslandskontakte immer schwerer zu beschaffen waren, wurden bei Kleinbahn und Liliput ab 1950 eigene Motoren konstruiert. Diese waren anfangs händisch gewickelt, riesengroß und ziemlich primitiv.
    Gerade die ersten Serien von Kleinbahn und Liliput sind sich sehr ähnlich, in den Maßen und in der elektrischen Auslegung.

    Beides waren Gleichstrom - Permanentmagnet - Motoren.

    Wichtigster Unterschied: Liliput setzte sehr bald auf eine feiner gefräste Schnecke, Kleinbahn blieb bei der grob gefrästen Schnecke.
    Und: die Kohlen / Bürsten lagen bei Liliput seitlich neben der Motorachse, bei Kleinbahn horizontal über und unter der Motorachse!
    1) Liliput - Motor von 1953, eingebaut in eine E 94
    Liliput Motoren waren ausgelegt für 20 Volt



    Hier ist die Lage des Motors gut zu erkennen; nur im ersten Produktionsjahr wurde diese Lok auch "mit 2 Motoren" angeboten, was sich nicht bewährt haben dürfte (Stromverbrauch? Größe)





    Länger wurde das Konzept mit 2 Wellenenden praktiziert, welches vor allem bei Triebwägen (5045, Roter Pfeil, 4030) angewendet wurde, da dort mehr Platz vorhanden war.
    Auch Lokomotiven konnten eine Zeit lang mit einem oder mit 2 angetriebenen Drehgestellen bestellt werden.

    2) Kleinbahn - Motor von 1951; der dicke Blechanker wirkte wie eine Schwungmasse
    Dieser Motor war für 24 Volt ausgelegt.
    Schon 1951 war bei Kleinbahn eine E 94 in Arbeit (sogar als E 300 im Katalog). Als jedoch Karl Göls seine E 94 herausbrachte, entschloss man sich bei Kleinbahn diese noch einmal gründlich zu überarbeiten. Auch dürfte das Konzept mit den 2 Motoren aus ähnlichen Gründen wie bei Liliput nicht funktioniert haben.


    3) Kleinbahn Motor ab 1953, nach wie vor handgewickelt, mit gefräster Schnecke - wieder wirkte der dicke Blechanker wie eine Schwungmasse
    Dieser Motor war immer noch händisch gewickelt und für 20 Volt ausgelegt.
    Er war deutlich kürzer als der oben abgebildete 24 Volt Motor, so dass das Konzept mit 2 Motoren weiterentwickelt werden konnte.
    Dieser Motor hat schon die Maße (und das Grundkonzept) des später millionenfach gebauten, sehr bekannten Kleinbahn Motors


    Als 1954 / 55 die Signale mit "Zugbeeinflussung" eingeführt wurden (Trennschienen, Signalanschlussschienen, Signalschalter), beschwerten sich Kunden massenhaft bei der Firma Kleinbahn, dass die Loks beim Signal nicht stehen bleiben würden.
    Genau das war der Grund, den Motor noch einmal zu überarbeiten. Der Blechanker wurde dünner (und nunmehr maschinell gewickelt), anstatt der gefrästen Schnecke wurde die viel billigere Drahtschnecke verwendet, der Auslauf war weg. Damals war es "in", "punktgenau" anzuhalten!

    wird fortgesetzt

    lg
    Johannes Reittinger

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