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    Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

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    Knolps

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    Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

    Beitrag  Knolps am Di 09 Okt 2012, 19:27

    Hallo,

    mit der Parade der Deutschen Reichsbahn in Riesa am 8. und 9. April 1989 ist für Viele der Name einer einzigen Lokomotive untrennbar verbunden. Klar, denn wie die Saxonia bringt keine andere Lok ihre Herkunft so deutlich zur Geltung. Weniger bekannt ist dagegen die auch heute noch erhältliche 1:87 Umsetzung des Sonneberger Vorzeigeherstellers der DDR-Modellbahnindustrie Piko, das mit der o. g. Parade in den Handel eingeführt wurde. Diese ist - das ist nachvollziehbar - eher an den DR-Nachbau von 1988, als an das Vorbild angelehnt, so fehlte diesem doch z. B. recht schnell die Nachlaufachse, da die Reibungsmasse schlichtweg zu gering war. Andere Veränderungen, wie eine neuere, regulierbare Steuerung und ein Tenderrahmen in Metallbauweise (das Original verfügte noch über einen Holztenderrahmen sowie über eine einfache Hebelsteuerung, welche keinerlei Füllungsregelung zuließ(!)), sind im Modell jedoch nicht erkennbar.
    Und auch, wenn dieses 24 Jahre nach seiner Entwicklung nicht mehr in allen Punkten zeitgemäß sein mag, so kann es sich dennoch auch heutzutage sehen lassen, wesshalb ich es für Euch etwas näher vorstellen möchte. Doch bevor wir richtig loslegen, erwartet uns das Modell im edlen Kunstlederkoffer mit goldener Inschrift:



    Interessanterweise wurde das Modell auch im einfachen Pappkarton verkauft, der Verkaufspreis von 395 (Ost-)Mark sank dadurch doch erheblich. Ich konnte jedoch vor einiger Zeit die "Edelversion" günstig bekommen, sodass es hier nun den Koffer zu sehen gibt. Mit der Nachwendeproduktion wurde dann übrigens auch die dritte Verpackung eingeführt, in der der komplette Zug auch heute noch erhältlich ist. Doch zurück zum Kunstlederkoffer, in dessen Inneren es so aussieht. Links oben kommt noch eine Pappkiste in Holzoptik hinein, die die Zurüstteile beherbergt.



    Doch bevor wir die Lok einsetzen, muss zunächst geprüft werden, ab das Set auch vollständig ist. Wäre dies nicht der Fall, so wäre dieser Zettel aus eben besprochender Pappkiste ganz wichtig.



    Doch nun haben wir lange genug gewartet, die Lok kann aus ihrer Plasteschutzhülle befreit und auf das Gleis gesetzt werden. Dabei sollte man jedoch wissen, wo und wie man sie am besten anfasst; zu leicht geht etwas kaputt.



    Eigentlich braucht es nicht viele Worte, um diese Meisterleistung zu würdigen, oder?!



    Die Detailverliebtheit, besonders am Kessel, besticht und widerlegt so ziemlich jedes Vorurteil gegen die DDR-Modellbahnkonstruktionen eindrucksvoll:



    An der Heizerseite des Stehkessels ist auch das Fabrikschild des Kessels zu sehen, der damals - genau wie beim Original von 1839 - in Übigau bei Dresden gefertigt wurde. Beim Vorbild dürfte jenes Fabrikschild allerdings doch etwas spannender gestaltet worden sein



    Das Innentriebwerk, welches hier nur durch die beiden Zylinder angedeutet wird, vereinfacht den Konstruktionsaufwand, zumindest im Modell, erheblich.



    Wozu braucht es eigentlich diesen historisch nicht eindeutig belegten Wagenzug, eigentlich kommt die Lok doch auch so ganz gut aus?



    Wie gesagt, eigentlich, den der Knackpunkt an dieser ansonsten wunderbaren Sache ist der Antrieb. Dieser hat schlicht und einfach nicht in die Lok gepasst, und, seien wir mal ehrlich, bei dem Detailierungsgrad und den winzigen Abmessungen ist das auch heute noch kaum möglich. Schließlich erreicht der Kessel ohne Dom gerade einmal die Höhe des Umlaufbleches einer 01, der zweiten Starlok im DR-Fuhrpark. Und somit wurde der Motor einfach in den Zugführerwagen gepackt (Das Wort Packwagen ist in Sachsen nach wie vor nicht üblich), und auch da musste er noch recht gedrungen ausfallen. Lediglich der bekannte Piko-N-Motor fand Platz (das ist so ein Allheilmittel, das neben den Piko-N-Triebfahrzeugen auch in vielen Eigenbauten (auch in H0) Verwendung findet; Vergleichbar mit dem GFN-Rundmotor), und die Stromabnahme ist, bei Verzicht auf eine unschöne Durchverkabelung, auch nicht die Allerbeste. Aber zumindest die Untersetzung ist stimmig, die 50 km/h des Vorbildes werden hier kaum übertroffen. Und wenn man seine Herzstücke ordentlich polarisiert, geht auch die Kontaktfreudigkeit in Ordnung.
    Und weil ein solcher 'Geisterwagen' doch eher untypisch ist, gibt es hier noch kurz ein Bild des Innenlebens.Links ist der (nachträglich eingebaute) Decoder zu sehen. Mit dem hier abgenommenen Gewicht wird dann auch jeder verfügbare Platz ausgenutzt, sodass für eine Digitalisierung ein den Abmessung des Decoders entsprechendes Stück herausgefräst (und gut isoliert!) werden muss. Als Alternative gäbes noch den zweiten Geisterwagen, hier wären wir aber wieder bei der "optisch nicht so ansprechenden" Very Happy Durchverkabelung; Außerdem schränkt das die Zugbildungsmöglichkeiten noch weiter ein, und Lokfahrten können kaum mehr überzeugend nachgestellt werden.



    Ist alles wieder montiert, zeigt sich der Zugführerwagen wieder in braun, das wohl von der K. Sächs. Sts. EB abgeschaut wurde:



    Wie der Zugführerwagen geht auch Rest des Wagenzuges auf Zeichnungen aus einer beiliegenden, 25-Seitigen Broschüre über die Strecke der Leipzig-Dresdener Eisenbahn, kurz LDE, deren Fahrzeuge sowie Geschichte zurück. Die Wagen werden untereinander, mit dem Zugführerwagen sowie dem Tender der Saxonia mit einfachen Kupplungsstiften verbunden, die an die bekannte Klauenkupplung von Pikos allgegenwärtiger 01 erinnern. Für die Wechselstromvariante des Zuges, die zu meinem Erstaunen auch schon in der noch aus DDR-Zeit stammende Anleitung aus dem Lederkoffer beschrieben wurde, ist eine doppelseitig mit Kupferblech versehene Kuppelstange vorgesehen, die auch hier wieder an die der 01 erinnert.

    Die Wagen selbst sind ebenfalls überdurchschnittlich gut detailiert, auch wenn sie ohne Zurüstteile nur einen halbfertigen Eindruck machen. Da sie zugerüstet aber nicht mehr in die Schaumstoffeinlagen der Verpackung passen, habe ich vorläufig auf ihre Montage verzichtet; Selbiges gilt auch für die Lokmannschaft der Saxonia. Lediglich die Bremsersitze habe ich provisorisch aufgesteckt, da sie von selbst halten.



    Nachdem wir nun den gesammten Zug ausgiebig kennen gelernt haben, fehlt noch ein Bild von Selbigem in seiner vollen Pracht. Dieses habe ich aus 4 Einzelaufnahmen zusammengesetzt, leider musste ich die entstandene, 12.000 Pixel breite Datei dann doch etwas komprimieren, damit sie hier ins Forum passt.



    Zum Schluss gibt es noch ein Einsatzbild des Zuges, bei dem die Proportionen, v. a. des Lokkessels, besonders gut zur Geltung kommen. Und nein, ich fahre nicht auf Breitspur, sondern auf ganz normalem RocoLine. Very Happy



    Eigentlich hätte ich diesen Beitrag ja gerne mit einer Vorbildaufnahme beendet, doch leider habe ich in diesem Bereich, außer einer nicht unbedingt sehenswerten Handyaufnahme von 2008 schlichtweg nichts vorzuweisen. Das wird leider auch noch einige Zeit so bleiben, denn seit letztem Jahr ist die Lok des DB Museums an das Verkehrsmuseum Dresden verliehen, wo sie bis mindestens 2014 leider auch noch verbleiben wird - kalt, zugebaut und ohne den Anschein zu erwecken, jemals wieder aus eigener Kraft zu rollen. Und so wird die 1988 gebaute Lok ihren 25. Geburtstag wohl auch verbringen müssen, denn seit der Revision im Sommer 2008 sind mindestens die Kesselfristen abgelaufen. Und solangen diese nicht erneuert werden, bleibt die Lok kalt. So bleibt nur die Hoffnung, dass sie sich 2014 noch einmal aus eigener Kraft bewegen darf, wenn es heißt: "175 Jahre erste Ferneisenbahn in Deutschland". Glauben kann ich derzeit allerdings nicht sorecht daran, der Umgang des DB-Museums mit den Traditionsloks der DR ist allgemein bekannt. Und der heimatliche Unterstand, der alte Ringlokschuppen im Bw Leipzig Hbf Süd, ist seit diesem Jahr auch ausgebrannt und abgerissen. Der Vergleich zu Nürnberg liegt doch recht nahe, auch wenn diesmal glücklicherweise die restlichen Museumsfahrzeuge (zufällig?) kurz zuvor nach Halle überführt wurden. So traf der Großbrand "nur" ein paar 601er-Mittelwagen, die dem Vernehmen nach allerdings nur als Ersatzteilspender fungierten. So oder So, die Betreuungsmöglichkeiten der Lok schwinden, und egal, ob sie un auch nach Halle kommt, im Bw Dresden-Altstadt untergebracht wird oder schlussendlich doch im VMD verbelibt, wünsche ich ihr noch eine ruhmreiche Zukunft - unter Volldampf! Dem Piko-Modell ist sie dagegen schon heute garantiert.

    In diesem Sinne hoffe ich, dass Euch der Beitrag gefallen hat.

    Viele Grüße,
    Oli
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    Re: Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

    Beitrag  spassbahner am Di 09 Okt 2012, 21:55

    Hallo Oli

    Ein sehr guter Bericht mit Superbildern, das Anschauen war ein absolutes Vergnügen, Danke!

    LG

    -Bruno
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    Re: Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

    Beitrag  Igel am Di 09 Okt 2012, 22:26

    Ohja, wunderschön zum Lesen und Bildergustieren.
    Leider Gottes liegt das Set in der Kunstlederschachtel bei Ebay laufend über meiner Schmerzgrenze für DDR-Moba Sad


    _________________
    MfG Philipp, der einfach zu faul ist etwas anderes in die Signatur zu schreiben. Wink
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    Karl
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    Re: Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

    Beitrag  Karl am Mi 10 Okt 2012, 07:55

    Jepp, Oli ist unser PIKO-Spezialist. Was du uns da herzauberst, einschließlich Schattenspielen - einfach toll cheers
    Ich selbst besitze per heute nur 10 Lokomotiven von diesem Hersteller, bin jedoch äußerst positiv angetan davon. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist unerreichbar. Einziger Schwachpunkt: Fallweise (2x) musste ich bisher gleich nach dem Kauf den Decoder tauschen - sonst aber aussen und innen Top, die Erzeugnisse!

    LG,
    -Karl
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    Re: Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

    Beitrag  Frankenbahner am Mi 10 Okt 2012, 11:06

    Ein sehr schönes Modell, das bei mir leider auch noch fehlt. Dafür tummelt sich bei mir der Adler von Trix, bei dem das Problem mit dem Antrieb übrigens genauso mit einem Geisterwagen gelöst wurde. Allerdings hatte Trix damals noch kein N, daher fand der damals übliche H0-Motor Verwendung, der sog. Permamotor. Deshalb ist das Trix-Modell auch in einem etwas größeren Maßstab gehalten. Der "Permamotor" war allerdings bereits beim Erscheinen des Modells bereits alles andere als ein Nonplusultra in Sachen Laufkultur. Tauscht man den Knattermotor jedoch gegen einen Mabuchi-Tauschmotorsatz von Heiko Mehnert, erhält der Adler Fahreigenschaften, die ihresgleichen suchen.

    Gruß
    Florian
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    Knolps

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    Re: Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

    Beitrag  Knolps am Mi 10 Okt 2012, 13:59

    Hallo,

    es freut mich natürlich, wenn Euch der Beitrag gefällt Smile Das Interesse am Trix-Adler hat Florian auch spontan bei mir geweckt, der gehört - irgendwann - auch mal auf die Wunschliste gesetzt. Laughing Vielleicht bekommen wir hier ja auch einen Bericht dazu präsentiert, damit die Vorfreude weiter steigt cheers Wie ist das dort denn eigentlich mit der Digitalisierung? Die Adler-Wagen sind ja fast offen, da würde der Decoder dann durchscheinen, oder?

    @Karl: Das stimmt, die Decoder, die Piko verbaut, sind im Allgemeinen Mist. Das ist bei den im DCC-Format (die aus den Startsets) nicht anders: Laut, ruppig und ganz schwierig zu regeln. Zu einem Lenz silver+ ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Billiger wäre es wohl, sich gleich eine DC-Lok zu holen, und Schleifer und (richtigen) Decoder selbst einzubauen. Das dürfte auch recht übersichtlich sein, vielleicht schreibe ich dazu irgendwann mal etwas.

    Philipp, Du hast recht, ganz billig ist das Modell nicht. Immerhin ist es ja auch heute noch für ca. 230 € erhältlich, was allerdings auch wieder für die Qualität spricht. Es ist also nicht das, was man unter DDR-Moba allgemein versteht. Ich habe für meinen Zug damals, glaube ich um die 100 € bezahlt. Das war so in Vorbereitung für meinen 14. Geburtstag, also so September/Anfang Oktober. Mit dem Preis hatte ich auch außerhalb der Weihnachtssaison Glück, aber für den normalen Pappkarton dürfte es realistisch sein. Vor Weihnachten natürlich nicht. Aber, wie gesagt, ein bisschen Glück hat man immer ;-)

    Viele Grüße,
    Oli

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    Re: Sachsens Stolz und die jüngste Dampflok der DR

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